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Die diesjährigen Berliner Tanztage stimulieren, an den Erfolg des Dokumentartheaters anknüpfend, die Auseinandersetzung mit „Documentary Dance“ – mit aus mehreren Gründen sehr mäßigem Erfolg, was umso mehr zu ein paar Gedanken anregt.

Eins zu eins lässt sich die Praxis des Dokumentartheaters schon darum nicht auf den Tanz übertragen, weil Handlungen des „echten Lebens“ normalerweise nicht getanzt werden, und, selbst für den Fall, dass es sich originär um getanzte Ereignisse handelt (beispielsweise die Stimmung, die Tänzer*innen in einem Club erzeugen oder diejenige der Straßentänze während der ersten Zeit der syrischen Revolution), ein tänzerischer Ausdruck, der nicht einstudiert ist, kaum jemals so präzise erinnert werden kann wie ein sprachlicher. Das Programmheft der Sophiensaele bringt den Begriff des Körpergedächtnisses ins Spiel – aber ist dies ein tänzerischer Akt oder eine Fähigkeit, deren sich der Tanz (genau wie das Theater) bedient? Und lässt sich darauf „als tänzerisches Dokument“ zurückgreifen oder vielmehr im Sinn einer choreografischen Situationsanalyse, die Ort, Intensität, Stimmung, Haltung, Befinden, Ereignisrhythmus etc. abfragt? Einfacher wäre es daher, mit dem Begriff „Documentary Choreography“ zu hantieren, auch wenn dazu die ebenso komplexe Frage auftaucht, ob ein Choreografiebegriff, der den physisch markierten Tanz nicht mit einschließt,

Documentary Dance. 07.01.2017, Tanztage 2017, Sophiensaele, Berlin

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