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Heute morgen beim Anziehen. Er ist plötzlich ganz voller Eigenleben: eine Skulptur, ein Ornament, ein Schattenspiel, ein Soldat. Vorwurfsvoll scheint er zu sein, dass ich ihn nicht dort gelassen habe auf dem Amazonenaltar Nadia Beugrés bei seinen tausendfach anwesenden Artgenoss*innen, in diesem Körbcheneldorado, diesem wogenden Spitzenmeer, diesem kuppelüberreichen Himmelszelt. „Freiheit den Körbchen“, schreit er nun, „Tanz den Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Melonen, Knospen, Blüten, Halbmonden, Perlen, Yasmin- und Nelkenduftträgern, den Kissen, den Gipfeln, den Zapfstellen und all den anderen Scheißmetaphern“! Der Emanzipationsschrei eines Requisits, das alles dafür tat, eines hübscheren Namen würdig zu sein und nie erhört wurde, ist gleichzeitig der Siegesschrei des Bühnenbilds über eine Choreografie, die erst noch beweisen muss, dass die Welt oben ohne die bessere wäre.

Nadia Beugré: LEGACY. 12.01.2017, Made in Potsdam, Fabrik Potsdam.

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