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Alain Platels „nicht schlafen“ ist eines der Stücke, über die es sich auch in stiller Anerkennung schweigen lässt. Oder aber: Begeisterungsgebärden, Standing Ovation – vielleicht aus Befreiung, Entladung der Anspannung, die sich zwei Stunden lang im Raum hält ohne Verschnaufpause. Bevor die von Steven Prengels collagierten Symphonien Gustav Mahlers erklingen, hören wir Körper dumpf auf den Boden aufschlagen, gegeneinander prallen, schnelle Schritte und Kleidungsnähte, die aufreißen, das Quietschen der freigelegten Haut, die über den Boden schleift. Wie viel Virtuosität ist noch zu ertragen in einer Szenerie vor drei hingestreckten, lebens- beziehungsweise todesechten Pferdeleibern, in der sich Choreografien der Erschöpfung mit Szenen einer irgendwie allpräsenten Hingabe wechseln? Die Menschen, kauernd, halten sich fest, stoßen sich zu Boden und werden ihre Tänzer*innen-Manieren nicht los, denn die große, große Katastrophe, die große, große Erlösung, sie

Alain Platel: nicht schlafen. 14.01.2017, Haus der Berliner Festspiele, Berlin.

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