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Ein Cyborg mit menschlicher Lunge würde nicht in ein programmiert klingendes Öhhö-Öhhö-Öhhö ausbrechen, und ein Android würde erst gar nicht husten. Außer ein Cyborg-Spion schleicht sich ins Androidenreich ein und versucht, um sich nicht zu verraten, seinen Hustenanfall so technoid als möglich zu inszenieren. So ausgestellt wie unnahbar und mit der (fast trockengelegten) Tragikomik einer gelebten Aporie kostet Anna Nowicka in Raw Light die verwirrende Indizienkunde aus, bevor sie roboting-artig weiter in einer Reihe von Zwischenzuständen aufgeht: als dämmerlichtiges Fledermaus-, Maulwurf-, Fisch- oder Schlangenwesen mit einem unsichtbaren Stahlimplantat im oberen Wirbelsäulenbereich und einer eher körperlich als psychisch wirkenden Smartphone-Abhängigkeit. Es gibt (siehe Trump) keine Virtual Reality mehr, sondern nur noch Reality; keinen Geist mehr, der ungerufen bliebe – und so muss, unter Weihrauchdunst, all das verkörpert werden, was die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir durchspukt. Ich als realer Spuk.

Anna Nowicka: Raw Light. 25.01.2017 (Generalprobe), Dock 11, Berlin.

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