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Luc Dunberry sitzt auf einem an die Bühnenrückwand gelehnten Brett, während das Publikum in den Saal strömt, und gibt das hochvirtuose Körperporträt eines komischen Vogels, dessen Mundwinkel sich unwillkürlich verzerren, der zuckenden Fingers eine lautlose Schimpfsalve loslässt oder haltlos den Hals zwischen die Schultern steckt. Eine ‚Tour de Tourette‘; eine seltsam verzerrte Spiegelung von uns konventionshaft stillsitzenden Zuschauer*innen. Und auch nachdem Dunberry längst vom Brett-Hochsitz in die Niederungen des Familienlebens gekippt ist, folgen wir ihm, seiner Version all des schmerzhaften Witzes, der tänzerisch sublimierten Gewalt, aber auch des leichtherzigen Was-soll’s-Milieu der kleinen Leute, das Sasha Waltz in ihrem Tanztheaterstück „Allee der Kosmonauten“ im Folgenden etwas zu umfassend ausbreitet. Vor zwanzig Jahren entstanden und 2016/17 in Berlin wiederaufgenommenen, ist die vom Marzahner Plattenbau-Alltagsleben inspirierte (Stereo-)Typenkomödie dramaturgisch durchaus gealtert. Aber Luc Dunberry, der zum Originalcast gehörte, wirkt frisch wie je – ein angemessen schräger Säulenheiliger der hauptstädtischen Tanzszene.

Sasha Waltz & Guests: Allee der Kosmonauten. 29.01.2016, Radialsystem V, Berlin.

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