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Von einem angedeuteten Fünfeck auf dem Boden dirigiert, laufen zwei Männer, blind maskiert mit Hawaiihemden, im Gleichschritt über eine weiße Fläche und drehen sich dann unaufhörlich im Kreis, so dass sich ihre schwarzweiß gemusterten Tanktops und die orangefarbene und blaue Hose zu einem bunten Karussell vermischen, dessen Drehen vom Klang der sporenähnlichen kleinen Schellen, die an den Schuhen anmontiert sind, untermalt wird. Jószef Trefeli und Gábor Varga hinterfragen und unterlaufen in ihrem Tanzstück „Creature“ zeitgenössische und traditionelle Tanztechniken. Die beiden Tänzerchoreografen, die selbst einen Volkstanzhintergrund haben, zeigen in ihrer Produktion Schnittstellen dieses vermeintlichen Gegensatzpaares auf, indem sie zeitgenössisches Bewegungsrepertoire mit archaischen Requisiten wie Peitsche, Stöcken und gefiederten Kostümen gekonnt kombinieren. Dabei setzen sie sich zwar mit verschiedenen ethnografischen, sozialen und kulturellen Traditionen auseinander, bilden jedoch weniger stringente Traditionslinien ab, als dass sie eine Art eigene „Fakelore“ kreieren: gefiederter Überwurf aus bunten Fetzen, ein Hut, der einem Baumstamm gleicht oder umgekehrten Pappeln auf dürrer Erde, auf der das gleichmäßige Stampfen der vier Füße widerhallt. Irgendwann fallen die Masken

Jószef Trefeli und Gábor Varga: Creature. 03.02.2017, Zeitgenössische Schweizer Tanztage, Palladium, Genf

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