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Martin Schläpfer/Ballett am Rhein: 7. 11.04.2017, Schiller Theater, Berlin.

Weder Handlungsballett noch reine Abstraktion: Narrative Miniaturen und choreographische Fragmente schiebt Martin Schläpfer in „7“ ineinander, erzählt von Krieg und Gewalt, Paarbeziehungen und Geschlechterrollen und führt dem nicht mit hoher Ballettkunst verwöhnten Berliner Publikum in seiner assoziativen Choreographie zu Gustav Mahlers ebenso einfallsgetriebener 7. Symphonie vor, wie zeitgenössisches Ballett aussehen kann. Artikuliert bis in die Fingerspitzen, ist die Virtuosität seiner Tänzer*innen nie Selbstzweck, sondern Mittel der Darstellung – ob sie die klassische Schule exerzieren oder in Graham’scher Manier der Schwerkraft nachgeben, grotesk gebogene Butoh-Bewegungen ausführen, in einem heiteren Liebes-Pas-de-deux schwelgen oder die klobigen Stiefel im Mahler-Takt auf die Bühnenbretter knallen. Vor Spannung vibrierend und doch kontinuierlich weich fließend sind die Bewegungen, Stillstand, gar die gefrorene Pose des klassischen Tanzes, gibt es nicht in Schläpfers musikgleich phrasiertem Idiom. Eigenen Gestaltungswillen genauso wie den Blick für das Ganze setzt das bei den Ensemblemitgliedern des Ballett am Rhein voraus, die in Schläpfers jagendem Szenenwechsel ganz bei sich im Moment wirken und zugleich gedanklich immer schon einen Schritt, einen Sprung, eine Wendung voraus –

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