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Ola Maciejewska: Bombyx Mori. 08.08.2017, ImPulsTanz, Odeon, Wien.

Drei schwarze Seidenumhänge werden wie Objekte auf die weiße Bühne getragen und in aller Sorgfalt fächerförmig auf dem Boden zusammengelegt, um anschließend, über die Schultern der Tänzer*innen gestülpt, à la Loïe Fuller, sehr, sehr lange im Dunkeln herumzuwirbeln und sich, als geometrische Formen inszeniert, kaum merklich noch zu bewegen. Akustisch durch sechs hängende Mikros verstärkt, bilden die stofflichen Bewegungen zusammen mit Pfeifen, Zischen und Atmen eine dramatische Geräuschkulisse, die durch zusätzlichen Sound noch mehr Pathos bekommt, während sich das Publikum bei tropischen Temperaturen mit allerlei Papier etwas Luft zufächelt oder sich in Gesichtswasser einnebelt, was ganz wunderbar zu den akustischen Tautropfen passt, die mit der langsamen Wiederkehr des Lichts (Morgendämmerung!) ertönen. Die Grenzen zwischen halbnackten Tänzer*innen und unbestimmten Formen vermischen sich nicht nur mit der Dunkelheit, die die Umrisse kaum mehr preisgibt, sondern morphen immer wieder auch in die metaphorische Darstellung dreier nachtaktiver Raupen, die bis zum Morgengrauen ihr erstes Coming-out als Falter (Bombyx Mori) zu feiern scheinen und sich dabei flatternd in sich selbst verheddern. Oder, weil ja doch recht düster das Ganze: Das Licht geht aus, die Dementoren kommen. Oder auch: eine cineastische Orgie, die so vor sich hinorgelt.

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