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Eisa Jocson: Your Highness, 23. 8. 2017, Kampnagel, Hamburg (im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals)

Ich mag das Prinzip Nation nicht, meine Begleitung auch nicht, deshalb bleiben wir sitzen, wenn zu Beginn von „Your Highness“ die philippinische Nationalhymne gespielt wird. Und fallen unangenehm auf. Das Aufstehen zu den Hymnenklängen ist ein performativer Akt, eine strenge Form, der wir uns verweigern, und das Spiel mit strengen Formen ist der Kern von Eisa Jocsons Choreografien, in diesem Fall: der strengen Form des klassischen Balletts, eines Balletts, wie es in Hongkonger Vergnügungsparks hauptsächlich von Philippinos getanzt wird, konventionell, künstlerisch anspruchslos, handwerklich erstklassig. Form, die hier auf technisch perfekte Weise durchdekliniert wird, und nur weil die Formen nicht bloß getanzt werden, sondern auch angesagt, wird klar, dass das hier in erster Linie Form ist und keine in sich gründende Bewegung, Form, die sich auf der etwas überdeutlichen Traumprinz-Handlungsebene auch noch als gefährlich autoritäre Form entpuppt. Das Spiel mit flirrenden Geschlechterrollen, für das Jocson bekannt ist, wird dabei bewusst geopfert, der campy Charakter von „Your Highness“ versteckt sich im Fließen, im Bruch, in der Rekonstruktion einer anderen starren Rolle – derjenigen der handwerklich beherrschten Tanzkonvention, die hier mit einem Schlag ähnlich brüchig daherkommt wie in „Macho Dancer“ der männlich gelabelte Körper, als Camp also.

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