132-1

bücking&kröger: Pornografie der Emotionen. 23.09.2017, Ballhaus Ost // Joanna Leśnierowska: Blur. 23.09.2017, Dock 11, Berlin.

Das Herunterbrechen beider gesehener Stücke auf ein paar Aspekte, die für die Erfahrung von Langeweile sorgen, steht nicht dafür, dass die Stücke nur aus jenen Aspekten bestehen, die Langeweile erzeugen – es reicht also vielleicht auch nicht, die Kritik daran, wie in Nr. 132 geschehen, darauf zu reduzieren. So war beispielsweise in beiden Stücken das abstrakte Bewegungsmaterial gut durchgearbeitet und wurde technisch versiert präsentiert, beide Stücke weckten zunächst durch ein starkes Anfangsbild Interesse (in „Pornografie der Emotionen“ eine kosmisch-abstrakt wirkende Poolszene, in „Blur“ das unerwartete Fallenlassen bunter Klebebandrollen vor einer Fassadenkulisse zwischen Favela und abstrakter Kunst). Während die Bewegungssprache sich in „Pornografie“ zwischen Kontakt Improvisation ohne Berührung und einem scheinbaren Abtasten innerer Zustände in Richtungsparallelitäten entfaltete, gab es im Ellbogen fixierten „Blur“ Momente, in denen der Subtext an die Oberfläche zu dringen schien und durch eine Überlagerung von verbaler- und Bewegungssprache nachvollziehbare Verstrickungsmechanismen zwischen Konsens und Dissens erlebbar wurden. Im Gesamten wirkten die Performer*innen jedoch in beiden (vor halbvollem Saal gespielten) Stücken zu sehr verkapselt in dem Versuch, Bedeutung in Bewegung zu übersetzen und hätten eine weniger gleichbleibende und erwartbare Rhythmisierung und eine deutlichere dramaturgische Strukturierung geholfen, intensiver in die Stücke einzutauchen. Weniger vor der Kulisse ihrer unausgeschöpften Möglichkeiten zu enden.

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