142

Felix Mathias Ott, Bahar Temiz: M.A.R.S.. 01.11.2017, Tanzfabrik Wedding, Uferstudios, Berlin.

Metamorphose: Die erste Figur liegt auf dem Rücken, die zweite gleitet über sie hinweg, fügt sich hinzu, der Körper wächst aus sich heraus wie eine dehnbare peristaltische Form, und doch sind es zwei – ein labiles System geführter und gefühlter Bewegungen

, deren Intentionen sich so weit synchronisieren, dass sie ineinander schmelzen, eins werden und gleichzeitig viele – jede Verschmelzung gebiert aus der Mitte heraus ein neues Wesen.

Androide: In drei Variationen kriechen sie als permanent austarierter Muskelapparat mit weichem Tonus an der Horizontalen entlang, dann nach hinten, aus der Mitte wieder nach vorne, ein Regenwurm, ein Darm, industrielle Fertigteile in Serie, von vorne dann ein futuristisches Gebilde, ein menschliches Raumschiff, Gliedmaßen wie Tentakeln, Antennen, technizistisch und doch sensitiv, Spürsinn, der von außen oder innen gesteuert sein könnte.

Resonanz: Als siamesischer Zwilling haben sie sich selbst geboren, der Kopf ist an das Knie des jeweils anderen gewachsen, wie ein großes M sitzen sie in Seitenansicht in der vorderen Raummitte, menschlich plötzlich, die Nähe entlädt sich durch klopfende Impulse, gesteigert zu Brustbein-Beatboxen, Spannungstransformation wie vom Blitz in den Donner – die fast zwangsläufig folgende „What-They-Are-Instead-Of“-Einlage hat weniger das Kannibalische der Orgasmus-Energie des Schubot-Gradinger-Originals, ist etwas unschärfer, vielleicht neutraler.

Soma: Durch Reibung, Abschleifung entsteht der nächste Körper, oder auch nur ein neues Körpergefühl im alten System, organisch und doch fremdgesteuert wirkende Substanz, floral, wächst wie eine Pflanzenphotographie in der Dunkelkammer, die plötzlich ein eigenständiges Wesen wird, gespeichertes Licht in den Raum abgibt; aus dem Surround-System elektrisches Knistern wie Neuronen, die sich etwas zuflüstern, wie Datenströme, die weiter dichten.

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Ein Gedanke zu “142

  1. Wir sahen das Stück auch, stimmen voll zu und können es nachempfinden! Ich würde sagen, komplizierte Schönheit mit Brüchen! Skulpturen und Körperlichkeit wurde erlebbar! Die Kostüme paßten sehr gut!

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