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PARADOX DES SCHIFFBRUCHS
Das Leben und die Kontrolle des Lebens; die Flüchtigkeit des Seins; der Sinn des Unsinns: rotgetupfte Harlekins, wie vom Wind über die Bühne getrieben, und Ninjas in strengem, überhöhten Schwarz mit zackigen animationsfilmartigen Bewegungen. Außerdem Männer oben ohne — so viel echtes Leben im falschen!
Historische Referenzen suggerierende Bilder scheinen die Ordnungspunkte dieses Gewimmels in Ball-, Street- oder Superheldenmaskerade zu sein: Das Floß der Medusa wurde per Flüsterpost angekündigt und vor diesem Erwartungsblick erscheint Théodore Géricaults Gemälde von 1819 dann auch. Ein Bild, das viel ambivalenter ist als es wirkt: Nicht notleidende Geflüchtete harren hier ihrer letzten Tage auf dem Floß der Medusa (das Floß ist das Rettungsboot des Rettungsboots, die Medusa eine in Seenot geratene Fregatte), sondern ein gut Dutzend armer Idioten im Schlepptau von Kolonialisten, die sich vor der geplanten Landnahme gegenseitig auffressen. Ein Schiffbrüchiger ist ein Schiffbrüchiger ist ein Schiffbrüchiger?

Nach Live-Eindrücken von Boris Charmatz’ ›10000 Gesten‹

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