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Gerhard Bohner/Tanzcompagnie Rubato: SOS. 27.04.2018. Akademie der Künste am Pariser Platz, Berlin.

Gerhard Bohners wie von Morsezeichen gerastertes „SOS“ entstand 1991 in enger Zusammenarbeit mit den Rubato-Gründern Jutta Hell und Dieter Baumann in einem schmalen Flur des Hebbel-Theater in Berlin (heute HAU). Aus dem Band „herzzero“ des Konkrete-Poesie-Vertreters Franz Mon wird u.a. deklamiert: „befindet sich ein mensch in einem gestell, so kann er darin bleiben oder es verlassen, wenn es zugelassen wird“. Frei im strengen Gerüst der Zählzeiten zeigt das junge Tänzer*innenpaar Niannian Zhou und Xuan Shi nun die von den Kolleg*innen geerbten, minimalistische Bewegungsfolgen, faltet und wickelt rote und schwarze, (Bauhaus-Assoziationen weckende) zur Mitte eingeschnittene Filzkreise, nutzt sie als steifes Kleid, als Decke oder lässt sie wie eine Krake langsam davonschleichen und erzeugt im Zusammenspiel mit rhythmischer Textdeklamation, Klang und Bühne (eine lange, gestreifte Filzwand) eine unglaubliche Intensität. Eine akribisch gefilzte, konkrete Freiheit!

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