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INNER/ Marlene Naumann & Cathleen Rabe: Zwei Schwestern. 04.05.2018, ada studio (Alumni-Tanz-Berlin), Berlin. Wieder: 07./08.06.2018, Ruine der Franziskaner Klosterkirche, im Rahmen von PAF, Berlin.

Abendlicht, der Wind pfeift über den weiten Hof der Uferstudios, Tilman Dehnhards schwirrend-zittriger Bassflöten-Sound spinnt einen seidenen Faden in die karge und verlassene Landschaft – eine Art Prärie, die während der Performance in meiner Phantasie an Weite gewinnt. Beinahe identisch gekleidet, in bodenlangen dunkelroten Röcken und zunächst so dicht beieinander, dass ihre Gesichter sich fast berühren, spannen Marlene Naumann und Cathleen Rabe zwischen ihren Körpern alsbald die Weite des Hofes auf, bleiben aber untrennbar und wie in spukhafter Fernwirkung miteinander verbunden – keine Bewegung der anderen, die im eigenen Bewegt-Sein unbemerkt bliebe. Instinkthaft wirkt die Beziehung, die sich hier abzeichnet; auch mystisch, wenn die Frauen die Röcke zu Ponchos auf die Schultern ziehen und darunter ihre Arme ausbreiten, um sich von Podest zu Podest wie von Berg zu Berg in einer Art physischen Geheimsprache auszutauschen. „Zwei Schwestern“ entwirft sich als eigenwilliges Stadtlandschafts-Duett für zwei (un)verwandte Seelen: zwischen Nähe und Distanz, Vertrauen und Befremden, Menschlichem und Animalischem, Geheimnis und Suche.

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