199 / Serie Immersion 10

Im Rahmen von Thomas Oberender / Tino Sehgal: Welt ohne Außen. Immersive Räume seit den 60er JahrenRenée Coulombe: Deep Listening. 08.07.2018, Martin Gropius Bau, Berlin

Ästhetische Erfahrung ist per se immersiv, und doch kann es interessant sein, das deutlich zu machen. Beim Gang durch die „Wohlfühlkunst“ (s. Nr. 195) poppen mir immer wieder die im Wind schweifenden Palmenblätter oder die fingerartigen Äste der wogenden Hollywood Juniper aus Cyprien Gaillards verstörend schöner 3D-Videoarbeit „Nightlife“ (2015) auf und vermischen sich mit der an Intensität zunehmenden, wunderbar angeleiteten Erfahrung einer „sonic meditation“, die ich in einer kleinen Gruppe erlebe. Nach der Einstimmung im Liegen ­– nach innen, in den Raum, nach draußen wahrnehmen – gehen wir, distanziert und beteiligt zugleich, entlang einzelner Hinhörstationen, wie etwa Philippe Parrenos Wasserinstallation im Lichthof des Gropius Bau, nach draußen, lauschen unserem Atem, den Schritten, ablenkenden Gesprächsfetzen, gurrenden Tauben, spüren gehend, sitzend, stehend den zu kühlen Wind, die Bodenbeschaffenheit, knackende Baumborken: eine komplexe, ruhig empfundene Fusion einiger ansonsten ausgeblendeter Geräusche (unseres Körpers als Teil) urbanen Lebens. Der Stadtraum wird so – genauso wie unsere spürende Aufmerksamkeitsübung ohne Kunstanspruch – zum Teil der Ausstellung, der Rahmen wird verschoben, wir bewegen ihn von einem Feld ins andere, entkommen ihm nicht. Klänge einer Ausstellung.

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