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Jenny Beyer: Début. 16.1.2019, Kampnagel, Hamburg

Das erste, was man sieht, sind Farben, ein Knäuel aus Kleidung, aus Leibern, das da am Rand von Marian Gegodsz’ Bühne liegt, ineinander verknotet ist, kuschelt – Jenny Beyers roter Ganzkörperbody, Chris Leuenbergers olivgrüne Camouflagejacke, Nina Wollnys rotes Schlauchkleid, Farben, Farben. Und es ist mutig von Beyer, dass sie dieses Farbknäuel erst einmal für sich stehen lässt, dass erst einmal nichts passiert, keine Aktion, kein Sound, kein Tanz, um Wollny endlich aus der Umarmung zu befreien, eine Tänzerin, die erst kleine Bewegungen vollführt, tastend, unsicher erst, um dann den Schritt aus dem Minimalismus in eine laute, expressive Tanzsprache zu wagen, bis sie sich zum Ende ihres Solos ins Publikum setzt und dort bleibt, zuschaut, was die anderen Drei machen. So funktioniert Beyers „Début“, als Abfolge von vier Soli, die den jeweiligen Tänzerinnen und Tänzern viel Freiheit lassen, radikal bei Matthew Rogers, sinnlich bei Leuenberger, vielstimmig bei Wollny, als Finale bei Beyer durchzogen von einer freundlichen Ironie (und es gehört auch zum Bericht, zu sagen, dass die Spannung des Abends im Mittelteil ein wenig durchhängt). Zusammengehalten wird das von der Bereitschaft Beyers, in einer Feier des Körpers Individualität zuzulassen, Disparates, Unangenehmes, Umarmung, Nähe. Des queeren, diversen, fremden Körpers.

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