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Alfredo Zinolas: Pelle. 24.2.2019, tanzhaus nrw, Düsseldorf.

Drei menschliche Körper stranden zu Füßen des Publikums – unbeseelt wie Treibholz und doch nicht absichtslos kommen sie näher. Neckisch in ihrer nackten Präsenz. Die Aufführung führt uns wortwörtlich hinters Licht: In einer meterhohen Rotunde geleiten Kinder Erwachsene mit Augenbinden zu Stoffhaufen aus synthetischen Materialien (Bühnenbild und Kostüm: Moran Sanderovich), die erst wirken wie formlose Mumien, aus denen dann aber überraschend Hände und Füße ragen. Welche Realität entsteht vor dem inneren Auge, wenn man die Welt mit Händen erfährt?: „Das ist ein Vogel, das ist ein Schaf“, „Hier ist der Brustkorb“, „Wieso macht die keinen Spagat?“, dieses Kommentieren der Tastenden steht wohl für ein urmenschliches Bedürfnis, alles begreifen zu wollen. Aber „Pelle“ eröffnet mit stummen und zarten Angeboten auch vorsprachliche Welten: Wir sitzen im Kreis auf künstlichen Fellen dicht beieinander, als wären wir niemals Fremde gewesen.

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