132

bücking&kröger: Pornografie der Emotionen. 23.09.2017, Ballhaus Ost // Joanna Leśnierowska: Blur. 23.09.2017, Dock 11, Berlin.

Vier empirische Samstagabendregeln für Langeweile:

  1. Lasst Euch ein Bühnenbild bauen, über das Ihr rein gar nichts erzählt, lasst es aber auch nicht für sich sprechen.
  2. Versucht das, was Ihr sagen wollt, am Besten ein kompliziertes Thema, in Bewegung zu übersetzen.
  3. Beginnt langsam, entwickelt ein sehr, sehr langsames Crescendo und fallt danach wieder in das Anfangstempo zurück.
  4. Zieht Euch total normale Kleider an, nur noch ein bisschen normaler.

 

4 Gedanken zu “132

  1. Vier empirische Leitregeln für das Schreiben einer außergewöhnlich bösartigen Kritik:

    1. Bestellt euch ein Presseticket bei der Produktion.
    2. Setzt euch am Samstag Abend in die Vorstellung, habt hohe Erwartungen, fahrt eure Krallen aus, fletscht die Zähne.
    3. Wenn es langsam ist, und ihr Langsamkeit nicht aushalten könnt, wehrt euch dagegen, leistet inneren Widerstand, seid wütend, steigert euch da rein.
    4. Nutzt euren Sonntagnachmittag und lasst dem Unmut jetzt freien Lauf. Bügelt mit viereinhalb Sätzen einmal drüber, am besten ohne viel inhaltliche Substanz, dafür in populistisch-grölendem Ton. Und dann seid froh über eure Position, und darüber dass ihr eure innerlich aufgestauten Aggressionen irgendwo abladen konntet.

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  2. Liebe Viereinhalb-Sätze-Redakteur*innen, ich hatte Euer Projekt bisher als eines der wenigen Medien verstanden, das eine neue Form des Schreibens über Tanz versucht. Die Restriktion als Motor und der nur selten mitzulesende Kampf um die Adäquatheit der Sprache dem Bühnenereignis gegenüber haben mir immer großen Respekt abgerungenen. Manchmal entdeckte ich so etwas wie ein fröhliches Schreiben, das mir am besten gefiel, wenn es zu einem Stück gehörte, das der Autor*in offenbar nicht so zugesagt hatte. Ich fände es schade, wenn sich die Plattform zu einem weiteren Schlechte-Laune-Abladeplatz im öden Feuilleton-Allerlei, in dem viel zu häufig die Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk hinter die Verfasstheit der Autor*in zurück tritt, werden würde. In der Hoffnung, dass Ihr auch weiterhin Eurem Credo „Festlegung und Offenheit [können] miteinander ins Spiel geraten, Dinge behauptet und in der Schwebe gelassen werden“ treu bleibt, wünsche ich einen tänzerisch beschwingten Herbst. Herzliche Grüße, Gabi Beier.

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  3. Liebe Gabi Beier, danke für den Beitrag. „Schlechte Laune abladen“ wollen wir sicher nicht. Wir wollen uns aber auch nicht als Performance-Versteher*innen positionieren, dafür aber unter Umständen die Grenzen des Unverständnisses ausloten. Ob der Beitrag Nummer 132 zu hart war, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Er widmet sich möglichen Aspekten akuter Langeweile, schließt aber per se nicht aus, dass es andere Aspekte und Betrachtungsweisen gibt. Dennoch gibt es inzwischen unter Nr. 132-1 noch eine Reflektion auf Nr 132. Als Dialogangebot sozusagen. Wer Fan der besprochenen Aufführungen ist und uns seine Kriterien mitteilen möchte, hat jederzeit die Möglichkeit dazu. Das wäre dann tatsächlich ein Dialog. Viele Grüße, 4.5
    Ps. von Astrid: Spekulationen über die „Verfasstheit der Autor*in“ sind aber, siehe oben, auch nicht besonders produktiv und werden den seelischen Abgründen der Autor*in keinesfalls gerecht. Gute Laune oder Fröhlichkeit wären übrigens auch sogenannte Verfasstheiten!

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