180

Jule Flierl: Störlaut. 17.06.2018, Sophiensaele, Berlin.

In den vergangenen zwei Jahren wurde der Verdacht zur Gewissheit: Jule Flierl ist ein Nerd! Und eine Übersetzerin – von komplexen Recherchen in klare Strukturen, vom detaillierten Programmbuchinput (seeeeeehr schick!) in irgendwie comicartiges Sprechblasen, in denen wenige straßenvokabulargefärbte Sätze intelligente Schneisen in unsere Sichtfenster schlagen, (food for thoughts, food for doubts), „180“ weiterlesen

179

INNER/ Marlene Naumann & Cathleen Rabe: Zwei Schwestern. 04.05.2018, ada studio (Alumni-Tanz-Berlin), Berlin. Wieder: 07./08.06.2018, Ruine der Franziskaner Klosterkirche, im Rahmen von PAF, Berlin.

Abendlicht, der Wind pfeift über den weiten Hof der Uferstudios, Tilman Dehnhards schwirrend-zittriger Bassflöten-Sound spinnt einen seidenen Faden in die karge und verlassene Landschaft – eine Art Prärie, die während der Performance in meiner Phantasie an Weite gewinnt. Beinahe identisch gekleidet, in bodenlangen dunkelroten Röcken und zunächst so dicht beieinander, dass ihre Gesichter sich fast berühren, „179“ weiterlesen

178

Martin Hansen: If It’s All In My Veins. 03.06.2018, Sophiensaele, Berlin.

If Martin Hansen’s If It’s All In My Veins is a Marxist approach and commentary on the valuation of the image, then it has produced a relationship of estrangement with the dance canon – despite how all the material comes from iconic snippets – which means that the workers (performers), excluded from dance, will never produce an image of their own, and will forever be in service of. This is where for me pathos and humor collided, in the soup of desire, „178“ weiterlesen

177

Dimitris Papaioannou/Tanztheater Wuppertal: Neues Stück I. Seit sie. 12.05.2018. Opernhaus Wuppertal.

Es gibt mehrere Arten, irrationale Bilder zu ordnen: psychologisch, psychoanalytisch, nach Symbolen, kategorisch, ästhetisch, atmosphärisch… Dimitris Papaioannou scheint in seiner Choreografie „Seit sie“ für das Tanztheater Wuppertal (der ersten abendfüllenden seit sie, Pina Bausch, im Reich des rational nicht Fassbaren verschwunden ist) vor allem an einer atmosphärischen Ordnung interessiert – was legitim ist, mal abzüglich der schlechtesten Szene, die trotz einer superoriginellen Eisprungvariante ganz schlechte Kulinarik bleibt: frisch aus der Vagina gepresstes Spiegelei an gebratenem Penis (alias Weißwurstattrappe). Kochbücher können Schlimmes „177“ weiterlesen

176

Katerina Andreou: BSTRD. 28.04.2018. Young Choreographers Festival. Onassis Cultural Centre, Athens.

Take Four: four beats per bar, four T-Shirts, three on top of each other plus a spare one, four sides of the space standing on its angle, four sides of a figure of space inside of the one standing on its angle. Katerina Andreou uses a clear, minimalist arrangement and a clear, minimalist structure: permutations, permutations, permutations, permutations. And meanwhile we „176“ weiterlesen

175

Gerhard Bohner/Tanzcompagnie Rubato: SOS. 27.04.2018. Akademie der Künste am Pariser Platz, Berlin.

Gerhard Bohners wie von Morsezeichen gerastertes „SOS“ entstand 1991 in enger Zusammenarbeit mit den Rubato-Gründern Jutta Hell und Dieter Baumann in einem schmalen Flur des Hebbel-Theater in Berlin (heute HAU). Aus dem Band „herzzero“ des Konkrete-Poesie-Vertreters Franz Mon wird u.a. deklamiert: „befindet sich ein mensch in einem gestell, so kann er darin bleiben oder es verlassen, wenn es zugelassen wird“. Frei im strengen Gerüst der Zählzeiten „175“ weiterlesen

174

Jochen Roller / Friederike Lampert + Nationalballett Kosovo: SYN-. 19.04.2018, Sophiensæle, Berlin.

Rhyth-Rhyth, mus-mus; Rhyth-Rhyth, muss-muss, küss die Musen, küss Mnemosyne — wach?: 13 androgyne Wilis (Schleierpalette: Feuervogel-Rot bis Flamingo-Rosa) schweben uniform durch den wummernden Festsaal. Für die House Music sorgt die sich lasziv gebende Djane; das in strenger Raum- und Körpergeometrie angelegte Zusammensein des kosovarischen Nationalballett aber nimmt den Schwung eher raus als ihn weiter zu treiben. Allzu SYNchron walzt sich das Bild von Gemeinschaft hier breit. Notiz für den Tanzatlas: Ein Ballett-Upcyclingversuch, der in ornamenthafter Laufstegatmosphäre verharrt.